Will ich wirklich Influencer werden? Ein bisschen Realtalk.

Hi zusammen,

lange war es hier mal wieder still. Und ja, ich weiß, das sage ich in letzter Zeit sehr oft. Aber was soll ich machen, wenn mir nach und nach die Lust vergeht an allem, was mit dem Blog, Instagram und Social Media zu tun hat? Aber eins nach dem anderen…

Ich habe in letzter Zeit viel mit Freunden und meiner Familie gesprochen und versucht, auf diese Art endlich ein bisschen meine Gedanken zu sortieren. Ob es geklappt hat – ich weiß es nicht. Vielleicht ein bisschen. Aber so ganz klar im Kopf und sicher, was ich eigentlich will, bin ich immer noch nicht. Und jetzt gerade, wo ich diese Worte tippe, fällt mir mal wieder auf, dass ich es eigentlich traurig finde, dass Instagram und Co. heutzutage so sehr unser Leben bestimmen. Dass ich mir eigentlich gar nicht ständig Gedanken um dieses Thema machen will. Und doch tue ich es – weil das Ganze einfach so wahnsinnig präsent ist in unserer Welt, dass ich gar nicht weiß, wie ich ihm entkommen soll.

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Ich werde hier nur aus meiner Sicht sprechen und versuchen, nichts zu verallgemeinern oder zu pauschalisieren. Das soll auch kein Influencer-Bashing werden, ganz im Gegenteil: Ich schätze und bewundere viele Influencer sehr und habe in keinster Weise vor, ihre Arbeit niederzumachen oder schlechtzureden. Ich möchte euch nur erzählen, wie sich das ganze Influencer- und Instagram-Thema aus der Sicht einer kleinen Bloggerin anfühlt. Falls euch das interessiert, bleibt sehr gerne dran – es wäre für mich nämlich echt spannend zu wissen, wer von euch das genauso sieht.

Instagram ist für mich mittlerweile eigentlich nur noch purer Wettbewerb. Die Plattform, bei der ich mich angemeldet habe, um mich inspirieren zu lassen und vielleicht sogar selbst andere Menschen zu inspirieren, ist mittlerweile ein großer Marktplatz für all solche, die besser, schöner und berühmter sein wollen als andere. So richtig inspiriert werde ich schon lange nicht mehr – denn nach dem 10. pinken Flamingo-Schwimmreifen im Pool, dem 100. Coachella-Riesenrad oder dem 1000. Kaffee im weiß bezogenen Bett bin ich gelangweilt. Nicht inspiriert. Gefühlt geht es nur noch darum, wer die geileren Reisen unternimmt und den heftigeren Tan mit nach Hause bringt.

Wenn ich übers Wochenende an die Nordsee fahre, habe ich irgendwie das Gefühl, dieser Ort ist es nicht mal wert, dort ein Bild zu machen. Schließlich gibt es hier nur Watt, Matsch und Windmühlen. Will das überhaupt jemand sehen? Und wenn ja – werde ich dann verglichen mit all den erfolgreichen Bloggern, die an die sonnigsten Orte der Welt fliegen, um dort healthy food zu essen, ihre wunderschönen, sommersprossigen Gesichter und ihre durchtrainierten Bodies in die Sonne zu halten und „the good life“ zu leben? Ich weiß es nicht. Am liebsten würde ich einfach „Scheiß drauf“ sagen. Aber das geht nicht – und ich hab keine Ahnung, warum…

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Anfang Mai war ich in Portugal. Und statt dort anzukommen, abzuschalten und die Seele baumeln zu lassen, renne ich wie eine Geisteskranke mit der Kamera umher und suche die coolsten Foto-Spots. Verdamme meine ganze Familie dazu, an jeder Ecke stehen zu bleiben und mich zu knipsen. Mache mich schick zurecht, obwohl ich viel lieber ungeschminkt am Strand herumlaufen würde. Do it for the gram. Das ist dann wohl das Motto. Und diesen furchtbaren Druck will ich mir einfach nicht mehr machen müssen.
Letztens stöberte ich – wieder mal – durch diverse Instastories und blieb an einer Bloggerin hängen, die gerade auf einer Insel im Mittelmeer weilte und zwei Kolleginnen bei einem Fotoshooting filmte. Eine der beiden räkelte sich auf dem harten Steinboden am Pool, während die andere sich in unmenschliche Verrenkungen begab, um ihr Model perfekt von oben ablichten zu können. Betitelt wurde das Video mit der Caption „Blogger bei der Arbeit“ – und in dem Moment fragte ich mich, ob ich wirklich will, dass so meine Arbeit aussieht. Wenig Realität und gratis Rückenschmerzen.

Apropos Instastories: Ich erschrecke mich meistens regelrecht, wenn ich mir eine Story von einem Bloggerevent oder diversen Fashion Weeks anschaue und dort unzählige Blogger in der First Row entdecke, die allesamt ihren Kopf senken und ihre komplette Aufmerksamkeit ihrem iPhone widmen. Ich weiß, das ist ihr Job – aber trotzdem habe ich manchmal Angst, dass ich selbst so bin oder werde. Das Leben hat so unglaublich viele schöne Dinge zu bieten – werden sie schöner, wenn ich sie ständig aufnehme? Wohl eher nicht. Im Gegenteil: Ich habe fast schon Angst, dass ich irgendwann durch den permanenten Social-Media-Wahn und die allgegenwärtige Handysucht das wahre Leben verpasse.

Das Problem an der Sache? Selbst wenn man weiß, was abgeht und wie die App aktuell funktioniert, lässt man sich anstecken. Alle Influencer machen Fotos vor schicken Haustüren? Okay, dann mache ich eben auch ein völlig nichtssagendes Foto vor einer zugegebenermaßen ziemlich normalen Tür. Ja, auch ich fotografiere mein Essen, ja, auch ich versuche, Stories hübsch zu gestalten und ja, auch ich achte auf meinen Feed. Aber um welchen Preis? Ich habe für mich einfach festgestellt, dass ich meinen Followern irgendwie einen Mehrwert bieten möchte. Dass mir das mit einem Bild von meinem Burger oder meinem letzten Urlaub nicht unbedingt gelingt, weiß ich. Aber wenn jemandem das Bild einfach nur gefällt oder ich den ein oder anderen wenigstens zum Burgeressen animieren konnte, reicht mir das schon. Und gerade um zumindest einen kleinen Mehrwert zu bieten, schreibe ich diese Texte. Um meine Leser vielleicht zum Nachdenken oder Lachen zu bringen oder ihnen Empfehlungen mit auf den Weg zu geben.

Ein Thema etwas abseits davon, über das auch schon reichlich gesprochen und sich beschwert wurde: Der Instagram-Algorithmus. Kleine Accounts mit kleiner Reichweite werden verschluckt, große Accounts mit großer Reichweite gepusht. Riesige Blogger mit Hunderttausenden von Followern werden im Feed ganz oben angezeigt, bekommen x-tausend Likes und Kommentare und wachsen, wachsen, wachsen. Accounts wie meinen bekommt fast niemand mehr zu sehen. Meine Bildern dümpeln irgendwo am unteren Ende des Feeds herum oder sind gar überhaupt nicht mehr sichtbar. Ich merke das enorm an meinen Werten – und ja, es nervt mich. Es klingt oberflächlich, aber es nervt mich, dass meine „Arbeit“ nicht geschätzt wird. Dass Instagram glaubt, darüber bestimmen zu können, was seine Nutzer sehen wollen. Dass die Fotos, die ich mache, nur bei einem Bruchteil meiner Follower ankommen. Wie soll ich da wachsen? Und vor allem: Wie soll mich das motivieren, weiterzumachen? Es kotzt mich an, ganz ehrlich. Der einzige Ausweg aus der Misere heißt Engagement – oder auf gutdeutsch: Verbring am besten dein ganzes Leben auf Instagram. Kommentiere, like, folge was das Zeug hält, egal ob dir die Accounts gefallen oder nicht.

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Zur aktuellen Werbekennzeichnungs-Situation möchte ich gar nicht allzu viel sagen – ich glaube, darüber haben sich schon genug Leute ausgekotzt. Mich hat das ganze Thema bisher glücklicherweise nicht tangiert, aber trotzdem mache ich mir so meine Gedanken. Was ist das für eine Welt, in der ich einen Beitrag als Werbung kennzeichnen muss, weil ich dort einen Freund markiert habe? Ich finde es pervers, wie zurzeit jeder versucht, Instagram zu seinem persönlichen, ganz großen Business aufzublasen und kleine, große, hobbymäßige und professionelle Instagramnutzer dazu verdonnert, Tausende von Euro Strafe oder Anwaltskosten zu zahlen, um selbst Profit daraus zu ziehen. Ich verstehe es nicht. Ich verstehe so viel Egoismus nicht. Für mich sieht das nur nach endloser Zeitverschwendung aus, und das ohne fruchtbaren Boden.

Ich muss jetzt für mich einen Weg finden, an der ganzen Sache wieder Spaß zu haben. Denn vielleicht wird meine Community gar nicht mehr oder nur sehr langsam wachsen und dann muss ich wohl oder übel damit leben, dass meine Texte und Fotos nicht so viele Leute erreichen, wie ich es gerne hätte. Ich hoffe, ihr versteht meine Gründe und könnt nachvollziehen, warum zurzeit nicht allzu viel Fotografiertes und noch weniger Geschriebenes von mir kommt. Ich möchte mehr aus einer Laune heraus mit euch teilen. Mehr echtes Leben, echte Worte, mehr Schnappschüsse, mehr Realität. Aus diesem Grund habe ich mich schon seit Monaten nicht mehr in Schale geschmissen, um irgendwo an einer hübschen Location stundenlange Fotoshootings zu veranstalten. Weil ich mir ziemlich sicher bin, dass sich die wenigsten damit identifizieren können, wenn ich perfekt ausgeleuchtet, in einem perfekten Outfit, an einer perfekten Wand stehe und das dann auf Instagram teile. Ich mag das Unperfekte, aus dem Leben Gegriffene. Ob das bei der Community gut ankommt und Reichweite schafft, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass ich mich damit wohl fühle.

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6 Gedanken zu “Will ich wirklich Influencer werden? Ein bisschen Realtalk.

  1. Hallo Lena, ich habe gerade deinen gesamten Beitrag durchgelesen. Ich selber bin auch Bloggerin und bin seid einem Jahr am Ball und gebe alles, dass meine Reichweite auf Insta steigt. Ich weiß genau wovon du sprichst. Ich liebe die Social-Media Welt und alles was dazu gehört. Ich liebe es zu fotografieren, zu shooten und Dinge zu teilen. Ich nehme meine Reichweite einfach genau so hin, wie sie gerade kommt. Mach dir nicht so viele Gedanken. Es ist nur ein Hobby und du solltest niemals den Spaß daran verlieren. Es gibt eine Welt rund um Instagram und das sollte man sich immer vor Augen halten.
    Wenn du magst, können wir uns gerne gegenseitig unterstützen 🙂

    Ich wünsche dir viel Erfolg 🙂

    Liebe Grüße

    Diana

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    1. Hi Diana, vielen Dank für deinen lieben Kommentar! 🙂 Viel Erfolg dir weiterhin für dein Social-Media-Game, ich drücke dir die Daumen 🙂 ich selbst werde es wahrscheinlich nicht mehr so intensiv leben, damit ich nicht den Spaß daran verliere 🙂

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  2. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß weiterhin dabei. Ich selbst finde Instagram eher lästig als spaßig und kann mich auf meinem Blog mehr austoben, kreativer sein und habe wirklich das Gefühl, etwas geschaffen zu haben. Instagram will immer nur bespielt werden – MEHR MEHR MEHR, aber niemand guckt sich die Fotos nächste Woche noch einmal an, oder? Es ist Aufwand für einen viel zu kurzen Moment.

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    1. Ich kann dich voll verstehen und finde deinen Ansatz super interessant 🙂 ich habe auch wirklich keine Lust, so viel Zeit in meinem Leben darauf zu verschwenden, einer Social-Media-Plattform gerecht zu werden…

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  3. Hallo, ich finde deine Ansichten gut. Ich selbst erlebe es jeden Tag wie die Leute sich verändert haben. Als Shuttlebus Fahrer habe ich viel mit Menschen zu tun. Es ist schlimm wenn du mehrere Leute im Bus hast und entweder redet keiner oder alle sind nur mit dem Handy beschäftigt. Gute Kommunikation ist heute eher die Ausnahme geworden. Ich selbst bin gerade im Aufbau um als Poetry Slamer und Whistler ,das es in dieser Kombination nicht gibt zu starten. Ich möchte einfach die Leute zum Lachen bringen. Die meisten Menschen haben es wohl verlernt fröhlich zu sein. Mache einfach das weiter was du für richtig hältst. Folge deiner Intuition. Lass dich von anderen nicht runterziehen.

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    1. Danke für deine Worte! Ich selbst merke auch, dass ich zunehmend empfindlich darauf reagiere, wenn mein Gegenüber ständig vor dem Handy sitzt. Denn am Ende erinnert man sich doch meist an die richtig guten Konversationen, die man PERSÖNLICH hatte, nicht wahr? 🙂 Dir viel Erfolg für deine Pläne!

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